Ein neuer Stundenplan für Maneesha und ihre Kinder

Die indische Millionenstadt Pune macht sich einen neuen Namen als boomende Industrie- und Universitätsstadt.
Doch parallel dazu trägt die Stadt den traurigen Beinamen „City of Slums“. Rund 1,4 Millionen Menschen, das sind in etwas 40% der Bevölkerung von Pune, leben in Slums. Immer mehr Familien verlassen ihre Dörfer und versuchen ihr Glück in der Stadt. Im Jahre 2006 sind nach Schätzungen der Pune Municipal Corporation 88.000 Menschen nach Pune gezogen, davon landeten 45.000 in Armenvierteln. Und die Zahl vervielfacht sich jedes Jahr. Pune steht damit nach Mumbai und Meerut auf Rang drei der Städte mit den größten Slums in Indien.

Das SOS-Kinderdorf Pune unterstützt alleinstehende Frauen mit Kindern, die in einem benachbarten Slum ums Überleben kämpfen. „Wir wollen vorbeugen, dass Kinder aufgrund von Armut und schwierigen Lebensumständen ihre Familie verlieren“, sagt eine SOS-Mitarbeiterin.

Das SOS-Kinderdorf Pune betreut in den Slums derzeit 205 Kinder aus 99 Familien. Dabei unterstützen die SOS-Mitarbeiter nicht nur die Kinder sondern helfen auch ihren Müttern.
Eine dieser Mütter ist Maneesha. Sie ist Witwe und auf sich alleine gestellt – keine Ausbildung, kein Job, kein Geld für Essen und Schulgebühren ihrer Kinder. Die Familie lebte in einer Wellblechhütte unter erbärmlichen hygienischen Verhältnissen.
Die SOS-Familienhilfe richtet sich vor allem an die Kinder, aber auch an die Mütter. Wer die Situation nachhaltig verändern will, muss sicherstellen, dass Kinder eine vernünftige Schulausbildung bekommen. Als Starthilfe erhalten die Mütter finanzielle Unterstützung für Schulgebühren, Schuluniformen und Schulmaterial. Auf diese Weise haben im vergangenen Jahr 165 Mädchen und Jungen den Weg in die Schule geschafft – viele von ihnen zum ersten Mal im Leben, andere nach einer längeren Unterbrechung. Viele Mütter in Indien nehmen große Entbehrungen auf sich, um den Schulbesuch ihrer Töchter und Söhne zu ermöglichen. Dennoch werden immer wieder Kinder von der Schule genommen und müssen unter desolaten Verhältnissen arbeiten, um das Überleben der Familie zu sichern. Damit sich dieser Teufelskreis nicht wiederholt, stehen die SOS-Mitarbeiter mit den Lehrern in Kontakt, um den regelmäßigen Schulbesuch und die Lernfortschritte im Auge zu behalten. Parallel dazu erhalten die Familien spezielle Fördermaßnahmen, damit den Kindern genügend Zeit zum Lernen und für die Hausaufgaben bleibt. Nur so kann verhindert werden, dass sie die Schule wieder abbrechen müssen. Und die Hilfe trägt Früchte: Fast alle Kinder haben das Schuljahr mit Erfolg bestanden; 9 Mädchen und Jungen stehen sogar kurz vor dem Abitur. Mit großem Stolz durften sogar einige von ihnen Auszeichnungen ihrer Schulen für besonders gute Leistungen entgegen nehmen.

Oft unternehmen Sozialarbeiter Ausflüge mit den Kindern – raus aus den Slums und hinein in andere Lebenswelten. Dabei erfahren die Kinder, was sie später einmal arbeiten könnten. Ein Beispiel: Dank einer Kooperation mit indischen Forschungsinstituten konnten Jugendliche im letzen Jahr ein Zentrum für Bienenforschung oder die Universität für Astronomie und Astrophysik besuchen. Die Jugendlichen bekommen zusätzlich die Möglichkeit, Computer- oder Englischkursen zu besuchen.

Auch Maneeshas Kinder haben wieder den Anschluss in der Schule gefunden. Heute besucht ihre große Tochter die siebte Klasse und ihr Sohn geht zur Grundschule. Und auch sie selbst hat wieder die Schulbank gedrückt. Sie lernte lesen und schreiben und besuchte anschließend einen Schneiderkurs.

Auf diese Weise ist der Grundstein dafür gelegt, dass die Kinder einen Weg aus de Armut finden. Dank der SOS-Familienhilfe hat sich der „Stundenplan“ von Maneesha und ihren Kindern grundlegend geändert. Sie machen jetzt etwas, was in eine bessere Zukunft weist und ihnen schon jetzt, in der Gegenwart, Freude bereitet und ihnen die Würde zurückgibt.

Viele Kinder wie die von Maneshaa hoffen auf eine solche Chance. In Pune, in Indien, in Asien, auf der ganzen Welt.

 
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Schulkinder in Indien